15:41 Uhr, 06.06.2008

24. Lena - El Horno!


Leider etwas verspaetet, aber die lustige (?) Geschichte darf ich nachreichen:
04.06.2008 21:15
Redecilla del Camino
Heute gab es nach langen Jahren fuer mich wieder etwas auf die Hoerner! Wir liegen im Gemeindehaus des o.a. Ortes (58 km von Burgos entfernt) und muessen immer noch ueber einen "hinterhaeltigen" Anschlag lachen. Nachdem wir unsere Schlafsaecke auf dem rustikalen Steinboden ausgebreitet hatten, luestete es uns nach mehr. Im besagten Camino-Kurort gab es nur eine klitzekleine Kneipe "Cafe Lena El Horno". Besagte Lena erblickten wir beim Eintritt in die Kaschemme mit wildem Blick am einzig besetzten Tisch neben einem offensichtlich alkoholisierten ehemaligen suedspanischen Stierkaempfer sitzend. In einer hinteren Ecke entdeckten unsere Augen einen spartanisch bestueckten Tante Emma Laden, die einzige Einkaufsmoeglichkeit im Umkreis von 15 Kilometern, mit einer niedlichen kleinen Backstube. Es war bruetend warm in dem Laden. Einerseits erschreckend depressiv die Location, andererseits mit einem enormen Kultfaktor behaftet! In bester Dumont-Reisefuehrer-Manier wollte ich das Erstaunliche der Nachwelt erhalten und zueckte meine Digicam um das Ganze zu belichten. Doch dann kam das: Wie von der Tarantel gestochen lief die gehoernte Lena auf mich zu und haute mir ihre Faust auf den noch nicht einmal ansatzweise fotografierenden Oberarm. Mit letzter Kraft konnte ich verhindern, dass die Samsung-Cam mit spanischem Boden Kontakt aufnahm. Da bliess Lena zur naechsten Attacke und schmiss mich im hohen Bogen aus dem Feinkostladen. Wie ein begossener Pudel stand ich da draussen ohne das von mir so sehr begehrte Mineralwasser ohne Blub in den Haenden halten zu duerfen.
Erkenntnis des Tages: Backstuben, die nicht der EU-Norm entsprechen fotografiert MANN besser nicht. Entschuldigung Lena!

06.06.2008 15:40
Heute sind wird wieder eine ansprechende Bergetappe gelaufen und ca. 25 km vor Burgos auf 1.000 Meter Hoehe gestrandet. Unser derzeitiges Wandertempo wuerde verhindern bis zum 28.06. in Santiago ankommen zu koennen. Hinter Burgos werden wir angreifen und mehrere 30 km Maersche absolvieren. Meine Fuesse scheinen auf die Anstrengungen sehr gut vorbereitet zu sein. Mittlerweise klebe ich diese ueberhaupt nicht mehr mit Pflaster ab. Die zahlreichen Blasenpflaster werde ich wohl alle wieder nach Deutschland befoerdern.
Soweit man diesen Blog verfolgt koennte man den Eindruck gewinnen, dass unser Trip eine reine Spassveranstaltung sei. Dies ist es aber wirklich nicht. Tatsaechlich haben wir tagsueber genug Zeit bei der koerperlichen Anstrengung unsere Gedanken zu sammeln und ueber den Sinn oder Unsinn unserer Pilgerreise zu philosophieren! In der Tat hat jeder von uns seinen Rucksack zu schleppen. Unterschiedliche Gewichte erschweren den Weg im uebertragenen Sinne. Die anfaengliche Aktivitaet weicht immer mehr der Ruhe und Einkehr. Gleichwohl erlauben wir uns auch gesellige Runden, da dies im "normalen Leben" auch erlaubt sein darf. Truebsal blasen kommt ueberhaupt nicht in Frage. So langsam realisieren wir allerdings, dass die Zeit auf dem Camino endlich ist. Um so mehr geniessen wir es diese schoene Erfahrung machen zu duerfen!

Bis Bald. Macht es gut. Heiner Schlereth

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