Der Weg ist mein Ziel! 28.05.2008 - 28.06.2008 Pamplona - Santiago de Compostela 737,9 km

Nun habe ich mich entschlossen diesen steilen Weg zu gehen und möchte mit diesem Blog von meiner Vorbereitung und hoffentlich auch der Durchführung berichten.
Der Camino wartet auf mich ....
Heiner Schlereth im Januar 2008
E-Mail: schlereth <at> macbay.de

14:09 Uhr, 07.06.2008

25. In Burgos angekommen

Durchaus im erschoepften Zustand sind wir in Burgos angekommen und werden gleich die 160.000 Einwohnerstadt erstuermen. "Irgendein" Fussballgrossereignis soll gleich mit dem Eroeffnungsspiel starten. Hunger spielt eher eine bedeutendere Rolle fuer unsere Aktivitaet, da heute die Nahrungsaufnahme zum Fruehstueck eher bescheiden ausfiel. Heute Abend machen wir es uns im Schlafsaal mit einhundert Pilgern in einer riesigen Holzbude gemuetlich. Der Spass kostet ganze 3,00 Euro pro Nase. Bon Camino
PS: Extra Gruesse an Nina. Heiner

Auf dem Foto von links nach rechts Navigator = Carsten, Crocodile = Heiner und Jesus = Stephan.

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15:41 Uhr, 06.06.2008

24. Lena - El Horno!


Leider etwas verspaetet, aber die lustige (?) Geschichte darf ich nachreichen:
04.06.2008 21:15
Redecilla del Camino
Heute gab es nach langen Jahren fuer mich wieder etwas auf die Hoerner! Wir liegen im Gemeindehaus des o.a. Ortes (58 km von Burgos entfernt) und muessen immer noch ueber einen "hinterhaeltigen" Anschlag lachen. Nachdem wir unsere Schlafsaecke auf dem rustikalen Steinboden ausgebreitet hatten, luestete es uns nach mehr. Im besagten Camino-Kurort gab es nur eine klitzekleine Kneipe "Cafe Lena El Horno". Besagte Lena erblickten wir beim Eintritt in die Kaschemme mit wildem Blick am einzig besetzten Tisch neben einem offensichtlich alkoholisierten ehemaligen suedspanischen Stierkaempfer sitzend. In einer hinteren Ecke entdeckten unsere Augen einen spartanisch bestueckten Tante Emma Laden, die einzige Einkaufsmoeglichkeit im Umkreis von 15 Kilometern, mit einer niedlichen kleinen Backstube. Es war bruetend warm in dem Laden. Einerseits erschreckend depressiv die Location, andererseits mit einem enormen Kultfaktor behaftet! In bester Dumont-Reisefuehrer-Manier wollte ich das Erstaunliche der Nachwelt erhalten und zueckte meine Digicam um das Ganze zu belichten. Doch dann kam das: Wie von der Tarantel gestochen lief die gehoernte Lena auf mich zu und haute mir ihre Faust auf den noch nicht einmal ansatzweise fotografierenden Oberarm. Mit letzter Kraft konnte ich verhindern, dass die Samsung-Cam mit spanischem Boden Kontakt aufnahm. Da bliess Lena zur naechsten Attacke und schmiss mich im hohen Bogen aus dem Feinkostladen. Wie ein begossener Pudel stand ich da draussen ohne das von mir so sehr begehrte Mineralwasser ohne Blub in den Haenden halten zu duerfen.
Erkenntnis des Tages: Backstuben, die nicht der EU-Norm entsprechen fotografiert MANN besser nicht. Entschuldigung Lena!

06.06.2008 15:40
Heute sind wird wieder eine ansprechende Bergetappe gelaufen und ca. 25 km vor Burgos auf 1.000 Meter Hoehe gestrandet. Unser derzeitiges Wandertempo wuerde verhindern bis zum 28.06. in Santiago ankommen zu koennen. Hinter Burgos werden wir angreifen und mehrere 30 km Maersche absolvieren. Meine Fuesse scheinen auf die Anstrengungen sehr gut vorbereitet zu sein. Mittlerweise klebe ich diese ueberhaupt nicht mehr mit Pflaster ab. Die zahlreichen Blasenpflaster werde ich wohl alle wieder nach Deutschland befoerdern.
Soweit man diesen Blog verfolgt koennte man den Eindruck gewinnen, dass unser Trip eine reine Spassveranstaltung sei. Dies ist es aber wirklich nicht. Tatsaechlich haben wir tagsueber genug Zeit bei der koerperlichen Anstrengung unsere Gedanken zu sammeln und ueber den Sinn oder Unsinn unserer Pilgerreise zu philosophieren! In der Tat hat jeder von uns seinen Rucksack zu schleppen. Unterschiedliche Gewichte erschweren den Weg im uebertragenen Sinne. Die anfaengliche Aktivitaet weicht immer mehr der Ruhe und Einkehr. Gleichwohl erlauben wir uns auch gesellige Runden, da dies im "normalen Leben" auch erlaubt sein darf. Truebsal blasen kommt ueberhaupt nicht in Frage. So langsam realisieren wir allerdings, dass die Zeit auf dem Camino endlich ist. Um so mehr geniessen wir es diese schoene Erfahrung machen zu duerfen!

Bis Bald. Macht es gut. Heiner Schlereth

10:46 Uhr, 05.06.2008

Fotos sagen mehr als Worte



Die Japanerinnen aus Hiroshima (55 und 65 Jahre alt) nahmen mich fuer ein Foto in Sicherheitsverwahrung!




@ Familie, Freunde, Kollegen und Bekannten:

Ich habe leider nicht die Zeit meine E-Mails abzurufen und werde die wenigen Minuten im www ausschliesslich in diesem Blog verbringen.

Alles Gute, bis bald.
Heiner

18:54 Uhr, 04.06.2008

24. Autogenes Pilgertraining

Die Nachricht aus der Heimat, dass es meinem Vater wieder besser geht, erleichtert und verschoenert mir den Camino in besonderer Form. Nach einer Woche auf dem Camino scheint der alternde Koerper sich so langsam an die steinigen Anforderungen zu gewoehnen. Leichtere Ermuedungserscheinungen werden regelmaessig mit Lachsalven behandelt und fuehren zur Besserung des Gesamtzustandes. Daneben bekaempfen wir reizende Stiche in den staehlernen Kniegelenken mit autogenem Training. "Rechtes Knie, schmerzfrei! Linkes Knie, schmerzfrei!" so lauten unsere Parolen die wir stimmgewaltig in die Weinberge und die Rioja-Kornfelder ausrufen. Das Verrueckte an der Geschichte ist, dass die Wehwehchen im wahrsten Sinne des Wortes vergluehen .... . Die Kunst des Weges ist daneben in der Tat, den Alltag zu vergessen und zu laufen, laufen und noch einmal laufen! Heute haben Carsten, Stephan und ich nahezu 30 km geschafft. Der Stern am Himmel brannte dabei ununterbrochen. Das Fruehsommerwetter ist offensichtlich von Deutschland nach Spanien "abgewandert". El Bacho hat auf der heutigen Etappe 4 Liter Wasser verbraucht und in den 8! Stunden alles im Griff gehabt. Wir legen haeufiger Pausen ein und geniessen die Kommunikation mit Pilgerinnen (;-) und Pilgern aus allen Teilen dieser Welt. Leider hat auch der heute genutzte IBM-PC keine Hochlademoeglichkeit, so dass ich wieder ohne Fotos informieren darf. In zwei Tagen erreichen wir die groessere Stadt BURGOS and I try my best. Heute haben wir uebrigens das erste Mal kein Bett in der Pilgerherberge bekommen. Alles ausgebucht, freundliche Spanierinnen haben den erschoepften Pilgern ersatzweise eine Notunterkunft im Gemeindehaus eingerichtet. Nun schlafen wir auf dem Boden. Streiche Schlaraffia-Matratze, setze Kartonage und Teppichbodenreste! Luxus sieht anders aus, aber den wollen die meisten, einschliesslich unserer Personen, auch gar nicht erhalten.
Besonders herzliche Pilgergruesse gehen heute an die Labrador-Pflegefamilie Nolte aus Moenchengladbach. Vielen Dank fuer die aufmunternden Worte und die fortwaehrende Betreuung!! Ute und Harald wuensche ich schon heute (bin ich vielleicht wieder einmal zu spaet dran ... ????) schoene Geburtstagsfeiern im gewitterlastigen NRW!
at Nina und Tobias: Lasst es nicht zu heftig krachen, gleichwohl die Ergebnisse und Euer Charakter mich stolz machen!
ariba, ariba El Bacho!
Heiner, Rioja - Espania
PS: Was erlauben Loew? EM ohne Marin? Geht doch gar nicht, oder?

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21:53 Uhr, 02.06.2008

23. "El Bacho" ein Krokodil vom Niederrhein

02.06.2008 15:00 Uhr
Mehr als 100 km vom Ausgangspunkt Pamplona entfernt sitzen wir auf der Terasse eines Cafes in Lavarete und geniessen um 17:00 Uhr das vierte Glas Bier vom Fass.
Auf der Strecke ist allerdings Wasser unser Teibstoff. Ich zeichne mich durch einen ungeheuerlichen Fluessigkeitsverbrauch waehrend des Wanderns aus (Herr Lorenz laesst gruessen!). Dementsprechend haeufig entwaessere ich allerdings auch. Dieser Umstand hat mir den schoenen Kosenamen "El Bacho" zu Deutsch "Der Bach" eingebrockt. Wir sind im grossen Weinbaugebiet "Rioja" gelandet. Meine Wassergaben werden sicherlich auch dazu beitragen, dass der 2008er Rioja ein guter Jahrgang wird .... .
Carsten entwickelt sich zum gnadenlosen "Kampfschwein (sorry for that)". Er hetzt die Huegel hoch und fordert mich auf das Heftigste. Den Kreislaufkollaps bei mittlerweile steigenden Temperaturen verhinderte die Traubenzuckerzufuhr (sponsered by Familie Schmitz aus Born) aus dem hause Dextro-Energen. Einen zweiten zweifelhaften Spitznamen schenkte mir mein schickes Leder-Outfit. Die bildschoene Kim aus Frankreich (aka "Mona Lisa") nennt mich "Crocodile Dundee aus Allemagne". Wie gut, dass gluecklich verheiratete vierundvierzigjaehrige Aligatoren nicht mehr beissen .... .
PS: ... ich werde definitiv dem Alkohol nicht verfallen, gleichwohl dieser in der "Freizeit" eine gewisse therapeutische Bedeutung hat!
Gruesse aus dem spanischen Niemandsland. Heiner
Carsten gruesst herzlich die Ingrid aus Hannover.

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15:56 Uhr, 01.06.2008

Fotos - 3 Eindruecke von den ersten Tagen

leider kann ich die Fotos nicht mehr ausrichten, dennoch hier ein paar Bilder
wer weiss, wann der naechste brauchbare PC in der Pampa auftaucht ...





15:28 Uhr, 01.06.2008

22. Hell die Glaeser klingen, oder "La Bamba in Viana"


01.06.2008 15:15
Weiss der Teufel in welchem Nest wir heute gelandet sind. Viana, oder so aehnlich! Der erste PC der meinen Smartcardreader erkennt und ich bin in der gluecklichen Lager der Heimat ein hoffentlich eindruckvolles Bildereignis zu schenken. Die heutige Strecke (22 km) war bei Dauerregen und tiefem Matsch wieder ein klein wenig ermuedend, so dass wir nach unserer Einkehr geradewegs in die Kneipe zogen. Die erste Flasche Wein wurde um 13:30 Uhr gekoepft und Stimmung kam auf. Beste Stimmung bei -Stephan, 31 Jahre, Erzieher aus Heilbronn, - Carsten, 38 Jahre, Tischlermeister aus Hannover und last but not least - Heiner, 44 Jahre, Zoellner aus Brueggen. Zur Abrundung des Pilgermenues gab es ein grosses spanisches Bier und wir waren am Sonntagnachmittag gegen 15:00 Uhr bereits abgefuellt und reif fuer die Pritsche. Die spanische Kapelle in der Pinte schmetterte aufs Heftigste alle uns bekannten spanischen Volkslieder. La Bamba kam besonders gut bei uns an. Gesundheitlich gibt es nicht viel Neues zu berichten. Pilger gewoehnen sich an den Pein!
Die Kneipe hat uns so gut gefallen, dass wir heute Abend dort wieder einziehen werden! Here we go! Heiner

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16:37 Uhr, 31.05.2008

Die Annie Friesinger Show - oder Pilgerqualen vom Feinsten

31.05.2008 15:50
Welcher Wahsinn treibt mich zu diesen Taten? Die gestrigen Fussschmerzen verstaerkten sich heute Morgen hoellisch. Mit 11 kg Marschgepaeck stand ich gestiefelt vor der Pilgerherberge in Estela um den huegeligen Weg nach Los Arcos zu bewaeltigen. Der Spann des rechten Fusses war dermassen blockiert, dass ich fast nicht losgegangen waere. Mein Beinansatz meldete permanent Stiche und Dauerschmerzen. Ein Gefuehl, als ob ich die ganze Nacht in der Grefrather Eishalle in Schlittschuhen Groesse 40 Pirouetten fuer das Guiness Buch der Rekorde -Ausgabe 2009- gedreht haette. Alter Schwede! Ich humpelte in bester Schnarchi-Manier 2 Stunden lang an der Seite meines Pilgerfreundes Carsten, der sich koestlich amuesierte. Die Kollegen des Zollamts hatten mir das Aus am 19. Tag vorausgesagt. Am 3. Tag bereits ins Gras beissen zu muessen kam ueberhaupt nicht in die Tuete! So biss ich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Zaehne. Welch grosses Kerkeling-Wunder. Nach 2 Stunden loesten sich die Blockaden und ich war wieder wie ein Erstliga-Fohlen unterwegs! Bei Dauerregen erreichten wir das Etappenziel (22 km) in 5 ein Viertel Stunden. Darauf werde ich mir heute Abend mit Schnarchi und Co. einen nehmen. Amen.

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15:33 Uhr, 30.05.2008

20. Pilgerwiesel und Madame Lazaret

30.05.2008 06:15
Unglaublich! 10 wuselige Pilger stehen zeitgleich um 06:00 Uhr auf und packen ihren Kram. Spanier, Franzosen, Oesterreicher und Deutsche sprechen eine Sprache, sie huesteln und schnupfen! Das Wetter in den Pyrinaeen scheint vielen in den letzten Tagen den Rest gegeben zu haben. Bei einer aelteren Frau aus Frankreich ist ein aerztlicher Einsatz nach unserer Einschaetzung der Lage unvermeidbar. Die Feldbetten mit der Sperrholzplatte bestaetigen mir eindrucksvoll und spuerbar: Wir sind im Lazaret gelandet. Fuer meinen Teil habe ich den letzten Abend goettlich gespeist. Tolles Pilger-Buffet mit Seehecht als Hauptspeise und lokalem Navarra-Wein. Merke: Ohne Mampf kein Kampf.

30.05.2008 14:40
Die Mitpilger/-innen erhalten von uns auf dem Weg Kosenamen. Heute lief uns einer von den 50 Prozent Schnarchern der ersten Nacht ueber den Weg. Schon war der Name fuer ihn gefunden: Schnarchi! Schnarchi lief wie ein Pflege-Stufe4-Pilger durch die Klatschmohnfelder und wir amuesierten uns auf halbem Weg nach Estella ueber seinen entenartigen Gang. Das Lachen sollte mir spaeter am Tag noch vergehen ... .
In Top-Verfassung hatte ich heute die ersten Kontakte zu Frauen (non-sexuell versteht sich!). Cum Jung Chun eine 31 jaehrige Koreanerin aus Seoul war sehr stoisch und zielorientiert. Die Kommunikation mit der knabenhaften Dame aus Asien waehrte nur wenige Minuten. Spaeter kam uns eine flotte oesterreicherische Bergziege (1,53 m und 53 kg) ueber den Weg. Die blondierte Salzburgerin mochte kein Internet, kein Handy und hatte auch keinen Kontakt nach Hause waehrend ihres Aufenthaltes. Selbst mit Apple s Iphone konnte die Dame nichts anfangen. Da musste ich einfach das Gespraech beenden ;-) !
Zum Ende des Tages, 24 km in 6 Stunden mit einigen Huegeln und Steigungen, verliessen mich meine "jugendlichen" Kraefte. Mein rechter Fuss bereitet mir seitdem Probleme. Nun bin ich froh und gluecklich in der Herberge gelandet zu sein. Romantische Naechte scheinen bei dieser Form der Uebernachtung kategorisch ausgeschlossen zu sein. Auch hier wieder 22:30 Bettruhe, 6:00 Fruehstueck und 7:00 Rausschmiss. Im 16 Betten Zimmer liege ich im Hochbett, unter mir die huestelnde Franzoesin, die ab sofort als "Madame Lazaret" in diesen Blog Einzug halten wird. Madame Lazaret hatte doch wirklich die Unverfrorenheit besessen trotz ihres Auswurfes nur wenige Minuten nach uns in Estella angekommen zu sein.... Carsten und ich gehen gleich auf die Pilgerpiste! Mineralwasser, Obst und Pflegecreme werden unsere bevorzugten Objekte sein ... .
Brave New Pilger-World!

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