Der Weg ist mein Ziel! 28.05.2008 - 28.06.2008 Pamplona - Santiago de Compostela 737,9 km

Nun habe ich mich entschlossen diesen steilen Weg zu gehen und möchte mit diesem Blog von meiner Vorbereitung und hoffentlich auch der Durchführung berichten.
Der Camino wartet auf mich ....
Heiner Schlereth im Januar 2008
E-Mail: schlereth <at> macbay.de

15:50 Uhr, 16.06.2008

33. ..... und taeglich gruesst das Murmeltier!

Dieser Camino ist wie ein kleines Dorf! Heute haben wir wieder viele bekannte Gesichter auf dem Weg getroffen. Den "abgebrochenen" Italiener, Jakob den schwaebischen Griechen und noch andere Menschen, die den Weg erst so richtig interessant machen. Die taeglichen Routen sind haeufig identisch und so entstehen tatsaechlich recht schnell "Pilgerfreundschaften". Alltagsprobleme ausserhalb des Caminos stehen nicht im Vordergrund der Gespraeche, vielmehr wird ueber den Sinn oder Unsinn von Blasenpflastern, Versorgungsengpaessen, Wettervorhersagen und sehr gerne auch ueber schnarchende Mitpilger philosophiert. Am Fusse der in den naechsten zwei Tagen zu bewaeltigenden Berge (260 km vor Santiago) haben wir unsere Zelte in einer kultigen Herberge aufgebaut. Die "Albergue de Peregrino" gleicht einem grossen Westernsaloon und da passen die drei Banditos aus Good old Germany ganz gut hin. Bertis Buben, ich verbessere Jogis Buebchen, werden wir heute auf einem 17 Zoll "grossen" Sanyo Fernseher bemitleiden koennen.
Der Koelner an sich wuerde zur Ausgangssituation anmerken: "Et is noch immer jut jejange". Schaun mer mal ... Adios, Heiner Schlereth

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7:06 Uhr, 16.06.2008

Hunde auf dem Camino - 2 Fotos

Auf den besonderen Wunsch einer lieben Familie zwei Hundefotos:


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15:15 Uhr, 15.06.2008

32. Schneckenrennen und entlarvte Schummelpilger

Die letzten zwei Tage haben wir es etwas langsamer angehen lassen, da die Beine nach 18 Tagen auf dem Camino doch etwas schwerer geworden sind und in den naechsten Tagen ein paar heftige Bergetappen auf uns warten, die sicherlich noch genug Reserven kosten werden. Von derzeit 800 Metern Hoehe (25 km hinter Leon) kaempfen wir uns dann auf 1.500 Meter ueber dem Meeresspiegel um schon bald in Galicien einlaufen zu duerfen. Gemessen an der Gesamtstrecke ist das taegliche Leistungspensum mitunter mit einem Schneckenrennen zu vergleichen. Morgens kommt MANN (=Schnecke) sehr schlecht in den Tag und schleicht Kilometer fuer Kilometer in Richtung Santiago. Nach ca. 1 Stunde hat der Koerper dann seinen Rhytmus gefunden und die Marschgeschwindigkeit wird merklich erhoeht.
Vereinzelt treffen wir jedoch auch auf Pilger die mit "unsauberen" Mitteln arbeiten ... .
Ein Lehrbeispiel dafuer liefert der 55 jaehrige Rainer Schmidt aus Offenbach, der Hapes Feststellung, dass die Spanier keine Pilger als Anhalter mitnehmen, eindrucksvoll widerlegte. Den heiligen drei Koenigen gelang dieser entlarvende Schnappschuss, der sogar Einzug in die oertliche Camino-Zeitschrift fand!

Zur Ehrenrettung des sympathischen Offenbachers muss jedoch ergaenzend festgestellt werden, dass Rainers gesundheitliche Probleme von Zeit zu Zeit den Pilgerweg erschweren und "zahlreiche" Taxi- u. Busfahrten bedingen.
Aufmunternde Zuschriften bittet die Redaktion dieses Blogs unmittelbar an den "Schummelpilger" via E-Mail Rainer-Schmidt (at) gmx.net zu richten.

In der Hoffnung, dass wir das Schneckenrennen noch ein paar hundert Kilometer fortsetzen koennen, verbleibe ich fuer heute.





Abschliessend noch ein Caminofoto von Jesus&me vor Leon.

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20:37 Uhr, 14.06.2008

Foto des Tages

Beim Anblick der zwei Italiener (ein Riese und ein abgebrochener Neapolitaner) von hinten mussten wir herzhaft lachen. Dieses "Dokument" wollte ich dem Blog nur aeusserst ungerne vorenthalten!

20:27 Uhr, 14.06.2008

31. Kings of Leon

Um Missverstaendnissen vorzubeugen, sei vorab die Information erlaubt, dass der heutige Blogtitel nichts mit der genialen Rock-Combo Kings of Leon gemein hat. Wir sind tatsaechlich in Leon (138.000 Einwohner) angekommen und durften nach der wunderschoenen Kathedrale in Burgos wieder ein kirchliches Meisterwerk besichtigen. Santiago de Compostela ist nunmehr nur noch 315 km entfernt und so langsam scheint unser Ziel in der Tat realisierbar. In Leon laufen jede Menge humpelnde Pilger herum, da die aerztliche Versorgung sehr gut ist und besonders angeschlagene Peregrinos aufgrund des touristischen Wertes der Stadt sich hier bevorzugt eine Auszeit vom Camino schenken. Probleme haben wir derzeit nur mit der Nahrungsaufnahme. Nach einem langen Tag sind wir haeufig zu traege die in den Herbergen vorhandenen Kochgelegenheiten zu nutzen und "goennen" uns die spartanischen "Peregrino-Menues". Diese machen allerdings selten satt, so dass wir zum Bleistift am vergangenen Abend das komplette Menue zwei mal zu uns nahmen. Offensichtlich sorgten sich australische Pilger ruehrig um uns und stellten ihre angebrochenen Flaschen Wein (Tinto) zu uns auf den Tisch. Dort waren die Landweine sehr gut aufgehoben! Das Ergebnis des lustigen Abends (die Hollaender haben toll Fussball gespielt, oder?) bitte ich dem eindrucksvollen Foto zu entnehmen ... .
PS: Mir persoenlich hat hier in Leon am besten die spanische Braut gefallen, die heute in der majestaetischen Kathedrale den Bund fuers Leben schloss! Beim Anblick der Schoenheit konnte ich verstaendlicherweise nicht mehr "ausschliesslich" an die Fassade des Gotteshauses denken .... .

Adios amigos aus Leon.
Heiner Schlereth

16:13 Uhr, 13.06.2008

30. Lauf Forest, lauf ... oder auch "Dieser Weg wird kein leichter sein!"

In den letzten zwei Tagen kam ich mir vor, wie Tom Hanks bei den seinerzeitigen Dreharbeiten zu Forest Gump in der Sierra Nevada. 50 km Praerie, kein Wasser, kein Internet aber gluecklicherweise auf halber Strecke (wir hatten uns gezielt fuer diese einsame Variante entschieden) eine bescheidene Herberge in einem winzigen Nest. Auf dem Weg unglaublich schoene Natur, lilafarbene Lavendelbuesche so weit das Auge reichte beziehungsweise die Fuesse uns trugen. In dem betagten Oertchen schien alles ausgestorben ... bis wir die oertliche Kneipe, ich verbessere Bar, fanden. Die Besucher der Gaststaette verfuegten ueber ein Durchschnittsalter von mehr als 75 Jahren. Unglaubliche dicke Brillenglaeser auf den Nasen und Spielkarten in den Haenden. Getraenke konnten wir auf ihren Tischen keine entdecken. Wir sahen uns genoetigt, dem armen Wirt unter die Arme zu greifen, machten es uns am Ende der Welt gemuetlich und betrieben Entwicklungshilfe. Erstaunlicherweise hatten Jogis Buben gegen 18:00 Uhr auf dem Bildschirm Einzug gehalten. Im 10 Minuten Takt bekaempften wir die kroatischen Angriffe mit San Miguel, Tueten Chips und auch immer wieder gerne mit Oliven, da es in diesem Laden nicht anderes Essbares gab. Zur Halbzeit fuehrten die Kroaten und wir waren absolut bedient. Der Anschlusstreffer von Burli Podolski bescherte uns nur noch ein kleines Erfolgserlebnis. Die Dorfbewohner konnten unsere Aufregung ueberhaupt nicht verstehen und zogen ihren kartenspielenden Stiefel weiter durch.
Nach dem Fussball heilten wir unsere am Tag und waehrend des Spieles erlttenen Wunden mit Hirschtalg und anderen Drogerieartikeln.
Dieser Weg wird kein leichter sein, auch nicht fuer die fussballspielenden Nationalspieler im schicken Weiss in den Alpenlaendern.
Liebe Gruesse an die Heimat. Bis Bald. Heiner Schlereth

Anbei 3 Fotos
a) die heiligen Drei Koenige

b) ein mueder Pilger

c) die heutigen Hostessen in der Herberge

d) und last but not least auf vielfachen Wunsch noch ein Einzelportrait



vom schwaebischen Jesus

15:16 Uhr, 11.06.2008

29. Bleede Mugge oder auch Moskito-Attacke in der Meseta!

Heute Morgen durften wir 20 km durch die Meseta wandern. Kein Baum, kein Cafe, dafuer unendlich weite Kornfelder und zig Populationen von Stechmuecken. Das Fruehstueck haette heute eigentlich ausfallen duerfen, da wir bereits nach wenigen Metern fleischige Nahrung in unseren Maeulern vernahmen. Nach dem ersten Verschluckvorgang mussten Massnahmen ergriffen werden. Ein Teil der Pilger missbrauchte wenig einladend riechende Waeschesaecke und streifte diese ueber die Haeupter. Sah mitunter lustig aus. Tropenforscher unter verwoehnten europaeischen Pilgern sozusagen. Ich persoenlich entschied mich fuer eine alternative Behandlung der Mueckenplage und streifte das auf diesem Camino erworbene lila-weisse Vossen Handtuch ueber die Birne und setzte den Hut darauf. Im Blindflug ging es sozusagen durch die Pampa. Jesus fluchte auf schwaebisch "Bleede Mugge" war allerdings zu stolz Massnahmen zu ergreifen. Nun sitzen wir frischgeduscht 80 km vor Leon in einer Luxus-Herberge und uebernachten erstmals in einem 4-Mann Zimmer. Nobel geht die Welt zugrunde, oder????
Anbei noch ein ulkiges Foto vom verkleideten Navigator Carsten.

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21:11 Uhr, 10.06.2008

28. Ein Dankeschoen an Silly Willi & Co.

Liebe Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte ... ich freue mich sehr ueber Eure Reaktionen auf diesen Blog und bedanke mich recht herzlich fuer die diesbezueglichen Lebenszeichen! Die Kirchen hier in Spanien sind mitunter recht lustig bestueckt. Das heutige Foto widme ich sehr gerne sillywilli, der als bekennender Pauli-Fan sicherlich herzhaft lachen wird. Vielleicht eignet sich das Teil sogar als Hintergrundbild auf einem hzakr-PC ;-).
Heute haben wir die 300 km geknackt! So langsam kommen wir tatsaechlich in die Pampa, ich verbessere Meseta, Weizen, Stroh, Heuh, unglaublich "interessant" fast schon niederrheinlike, auf der anderen Seite absolut geeignet die mitunter diffusen Gedanken zu strukturieren. Fussball findet seit heute Abend auch in Spanien statt. Ein gewisser David Villa sorgte dafuer, dass die Strassen leer und die Kneipen und Pilger voll waren (oder sind!).
Navigator muss dem hohen Tempo so langsam Tribut zollen. Jesus und ich lachen uns den Ast ab! Wir sind zwar stets die letzten in der Herberge aber voellig unversehrt, soweit man dies auf den Koerperbau bezieht! Carsten laeuft morgen mit Knieverband auf. Grosses Tennis hier auf dem Camino, oder?
Besondere Gruesse an das Zollamt Moenchengladbach, meiner Lieblingsdienststelle auf diesem Planeten! Herr Lorenz, ich werde definitiv nicht am 19. Tag aus dem "Rennen" scheiden!
Haltet durch, bald ist Freitag. Buenos Dias Matthias!
Euer und Ihr Heiner Schlereth

18:51 Uhr, 09.06.2008

27. Senorita Bonita drehte den Zapfhahn zu.

09.06.2008 17:25
Fussballpilger haben es in diesen Tagen schwer. Nach unserem ersten 30 km Erlebnis hatten sich die Pelegrinos auf Ballack und Co. gefreut. Leider mussten wir am Abend zur Kenntnis nehmen, dass der Spanier an sich mehr auf Nadal und Formel Eins steht. Mit Engelszungen konnte Jesus die rassige schwarzhaarige Bedienung im oertlichen Pilger-Cafe davon ueberzeugen, dass die Trikots mit dem Adler auf der Brust via Flachbildschirm zur Geltung kamen. Deutschland, Deutschland ... nach dem zweiten grossen "San Miguel" lief es dann auch bei Poldi wie geschmiert. 1:0. Halbzeit. Wir freuten uns auf das weitere Geschehen, da machte uns die Senorita Bonita einen fetten Strich durch die Rechnung, schnappte sich die Fernbedienung und kappte den Strom. 21:45 Uhr, Pippi machen, Bettruhe, Zapfhahn zu und Flaschen leer! Das poldige 2:0 nahmen wir im Schlafsack mittels SMS aus Alemania brav zur Kenntnis. Bon Camino!
Navigator laeuft Jesus und Crocodile derzeit in Grund und Boden. Auf der heutigen Etappe gab er uns erneut "Saures" und erreichte das Ziel 1,5 Std. vor den Oeko-Pilgern. Die heiligen Drei Koenige stehen dennoch nicht vor dem Split!, da der fuersorgliche Navigator stets das Tagesziel erspaet und die Betten fuer die Morgenmuffel herrichtet. Der zweite Tag hintereinander mit einer happigen 30 km Strecke fordert seinen Tribut. Mein linkes Knie meldet feine Stiche vom Innenmeniskus her. Alte Fussballerverletzung versteht sich. Schaun mer mal ..... .
Adios Amigos, Heiner
Gesamt-Laufleistung bis heute: 286 km.

Auf dem Foto neben mir ist der stolze Spanier Fernando zu sehen, der seit Pamplona immer wieder wie ein Phantom auf dem Camino auftaucht!

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18:40 Uhr, 08.06.2008

26. Rheumon Gel, Finalgon oder auch der Jakobsweg des Vaclav Sverkos

08.06.2008 06:45 Uhr
Heute Morgen konnte ich nur knapp einem aetherischen Anschlag entkommen. Um 5:00 Uhr packten die knapp 100 Pilger in der Holzbude ihre 7 Sachen und bereiteten sich intensiv auf den Olympischen Wettbewerb vor. Ganze Salven von diversen Salben und rheumatischen Wundermitteln stiegen mir in die empfindliche Nase, da ich unvernuenftigerweise ganz oben im Etagenbett lag. PfefferPferdeSalbe, Rheumon Gel und Finalgon, das ganze Programm der Pharmaindustrie wurde auf die geplagten Beine und Fuesse geschmiert. Am fruehen Morgen fuehlte ich mich wie frueher beim Fussballsport in der einer besonders miefigen Umkleidekabine.
Gefreut habe ich mich gestern fuer den Fussballspieler Vaclav Sverkos der am Abend in der Schweiz seinen leidvollen Jakobsweg beenden konnte. Sverki, wie er von seinen zahlreichen Fans liebevoll gerufen wird, schoss im Eroeffnungsspiel das erste Tor bei der Fussball EM in den Alpenlaendern. Nach einer privaten Tragoedie verlor der sympathische Kicker bei meiner Borussia das Gleichgewicht und geriet in jungen Jahren auf das fussballerische Abstellgleis. Nach diversen erfolglosen Exilerlebnissen in Berlin bei der Hertha und in Oesterreich wurde er wieder nach Hause geschickt. Dort wurde Sverki wieder aufgepeppelt und gewann sein Selbstbewusstsein wieder.
Der Fussballpilger Vaclav Sverkos wuerde der Borussia aus Moenchengladbach sicherlich in der neuen Saison wieder viel Freude bereiten, doch dafuer muessten die Herren Manager und Trainer maechtig viel Courage besitzen und ueber ihre langen Schatten springen. Ich befuerchte, dass diese Geschichte kein Happy End erhalten wird.
08.06.2008 18:35 Uhr
Wir haben die erste 30km Etappe blasenfrei ueberstanden. Prost. Mal schauen, ob der Borussen Olli erneut gegen unsere polnischen Freunde in der Endphase eines Fussballspieles sticht ..... .
Bis Morgen. Cu Heiner Schlereth
bd2bnic

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