Der Weg ist mein Ziel! 28.05.2008 - 28.06.2008 Pamplona - Santiago de Compostela 737,9 km

Nun habe ich mich entschlossen diesen steilen Weg zu gehen und möchte mit diesem Blog von meiner Vorbereitung und hoffentlich auch der Durchführung berichten.
Der Camino wartet auf mich ....
Heiner Schlereth im Januar 2008
E-Mail: schlereth <at> macbay.de

8:59 Uhr, 18.04.2009

Ein neues Caminopilger Abenteur steht im Mai 2009 an


...und damit wird auch ein neuer Blog feierlich eingeweiht.

Soweit Interesse besteht unsere 2009 Caminopilger-Aktivitäten ein Stück weit zu begleiten darf ich diesen neuen Blog empfehlen:

http://caminopilger.wordpress.com/

20:59 Uhr, 04.07.2008

40. Der Camino hat tiefe Spuren hinterlassen.

Knapp eine Woche nach meiner Rückkehr aus Nordspanien dürfte ein Fazit mit dem dazu gehörenden gesunden Abstand ziehen zu sein.
Der Jakobsweg hat mir zeitgleich große Freude, Schmerzen, Leid, Trauer und Abschiede bereitet und Pilgerfreundschaften geschenkt. Irgendwie vergleichbar mit dem Leben weit weg von der Pilgerautobahn nach Santiago, nur wesentlich authentischer und intensiver. Eine wertvolle Erfahrung, die mich gelehrt hat, gewisse Dinge und Wege in meinem Leben ein wenig gelassener zu sehen und mich dabei auf das "Wesentliche" zu konzentrieren. Zum großen Glück braucht man sicherlich keinen Reichtum und protzige Statussymbole. Die Wochen in Bescheidenheit haben mir so viel mehr bedeutet, als alle bisher verbrachten Urlaube in meinem Leben zusammen. Abschied nehmen vom Camino als Fußpilger tut im wahrsten Sinne des Wortes weh. Ich bin mit dem festen Vorhaben nach Hause geflogen eines Tages wieder die Kathedrale in Santiago de Compostela zum Ende einer Pilgerreise betreten zu wollen.
Bis dahin verbleibe ich mit einem freundlichen "Bon Camino" und grüße damit insbesondere meine Pilgerfreunde Carsten und Stephan in der Ferne.
Mein Jakobsweg am Niederrhein fängt gerade erst an ..... . Heiner Schlereth im Juli 2008

8:57 Uhr, 28.06.2008

39. Abflug

Stehe an einem putzigen Internetrechner am Flughafen in "Compostela" und werde um 09:45 Uhr nach Hahn (Ryan-Air-Oasis) fliegen. Nachdem ich mich gegen 07:00 von meinen beiden Mitpilgerfreunden verabschiedet hatte, sollte mir das Croissant im oertlichen Cafe nicht mehr ganz so munden. Ich bekam das Riesending einfach nicht mehr runter, so schwer hatte ich an der letzten Verabschiedung zu knabbern. Das Cafe war um diese Uhrzeit bereits randvoll mit Jugendlichen die munter becherten. Hatten offensichtlich die Nacht durchgefeiert .... . Bemerkenswert war, dass sie mir einen Sieg gegen die Spanier wuenschten. Die Galizier haben es offenbar schwer mit ihrer Nationalitaet. Was waeren wir Deutsche ohne die Bayern? Sicherlich nicht Teilnehmer des am Sonntag stattfindenden Endspieles. Bevor ich den Check-In vermassele hoere ich jetzt besser auf und stelle mich brav in die Reihe. Einen Blogeintrag mit der Nummer 40 wird es Fazit ziehend sicherlich noch geben. Bis dahin, ein freundliches Adios aus Santiago de Compostela. Heiner Schlereth

12:23 Uhr, 27.06.2008

38. Geschafft!

Gestern Morgen erreichten wir gegen 11:30 Uhr die Kathedrale in Santiago de Compostela und haben unseren Camino zu einem guten Abschluss gefuehrt. Carsten und ich fliegen Samstag zurueck nach Deutschland. Stephans Flugzeug hebt hingegen erst am 05.07.2008 ab. Er wird noch bis zum Atlantik pilgern und wir beneiden ihn ein klein wenig. Gleichwohl ich nicht als ueberaus eifriger Kirchengaenger bekannt bin, war der Besuch der gestrigen Pilgermesse nach unserer Ankunft um 12:00 Mittag der emotionale Hoehepunkt der Pilgerreise. Die Gesaenge der Ordensschwester waren tief beeindruckend und bewegend. Stimmlich eine Mischung aus Enya und Sinéad O'Connor ("Nothing compares to you") in einer etwas anderen Verpackung und selbstredend Ordenskleidung. Heute laufen wir, zum Teil frisch geschoren, bereits wie Touristen durch eine stolze Stadt, die uns viel besser als Burgos und Leon gefaellt. In den naechsten Stunden heisst es Abschied nehmen von Pilgerfreunden. Wir "Drei" werden sicherlich ein wenig mehr Probleme damit haben, da wir so viele Stunden gemeinsam auf dem Camino verbracht haben und dabei unsere unterschiedlichsten Sorgen und Noete "geteilt" haben.

Damit es jetzt nicht zu truebseelig wird, beende ich besser den heutigen duennatmigen Eintrag und versuche morgen am Flughafen letztmalig ein Lebenszeichen aus Espania zu senden. Adios amigos, Heiner Schlereth


Ein besonders dickes "Dankeschoen" darf ich der Familie Nolte sagen, die sich fast einen Monat so liebevoll um meine alternde Labrador-Huendin "Conny" gekuemmert hat. Vielen herzlichen Dank fuer alles!

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Ein Kommentar

17:26 Uhr, 24.06.2008

Das Foto des gestrigen Tages

Um eine Pilgerurkunde als Fusspilger in Santiago zu erhalten, muss man mindestens 100 km gehen. Carsten, Stephan und Heiner beim Erreichen des ominoesen 100 km "Grenzsteins" in Galizien.

17:04 Uhr, 24.06.2008

37. Ein Fohlen 52 km vor Santiago

Ein selten schoener Lichtblick in Galizien. Ein Fohlen, das nur muehsam auf die eigenen Beine kam ... . Ansonsten nehme ich auf der Strecke kurz vor dem Ziel nicht mehr all zu viel Schoenes auf. Galizien ist leider nicht so toll, wie ich das eigentlich erwartet hatte. Massentierhaltungen, wo das Auge hinschaut, ueberduengte Felder und auch Industrie entlang des Caminos. Kein Vergleich zu den wunderschoenen Tagen in den Bergen. Selbst die von Carsten und Stephan hoch gelobten schattigen Eichenwaelder koennen mein Herz nicht erfreuen, da im Abstand von 5 Metern Hakle-Ultra-Weich-Tuecher im "gebrauchten" Zustand den Weg quasi "zukleistern". Man merkt deutlich, dass die letzten 100 Kilometer des Caminos von vielen Kurzzeit-Pilgern und Schuelern "unterwandert" sind. Diese scheinen sich fuers Geschaefterl wirklich keine Zeit zu goennen und verrichten auch die groesseren Dinge 50 cm vom Weg entfernt. Unbelievable, but true! Auch das sonstige Umweltverhalten der "Fast-Food-Pilger" laesst auf dem galizischen Teil des Caminos sehr zu wuenschen uebrig. Bis zur 100 km Grenze war so gut wie kein Abfall entlang der Strecke zu sehen. Hier liegen die leergetrunkenen Wasserflaschen haeufig am Wegesrand.
Vielleicht moechte ich auch wirklich nur noch meinen Weg zum Abschluss bringen und bin in der Endphase ein wenig zu kritisch. Vielleicht!?!

Auf jeden Fall freue ich mich wieder auf die Heimat und das ist gut so .... .

17:24 Uhr, 21.06.2008

36. Ueber alle Berge nach Galizien - Endspurt

Am 24. Etappentag, ca. 600 km von Pamplona enfernt, sind wir in Galizien angelangt! Die Hauptstadt der autonomen Region Galizien ist ...... Santiago de Compostela! Daran kann man gewissenhaft erkennen, dass sich "unser" Camino so langsam dem Ende zuneigt. Wenn alles gut geht haben wir lediglich 5 weitere Wandertage zu ueberstehen. Ehrlich zugegeben, ist das auch gut so, da nach so vielen Wochen auf der Piste (ohne Ruhetag) die Lust aufs taegliche "Wandern" nachlaesst. Neben dem Kraefteverschleiss macht sich allerdings auch ein Materialverschleiss bemerkbar. Die Sohle von Carstens rechtem Schuh hat den Hitzewellen nicht Stand gehalten und verabschiedet sich vom gegerbten Leder. Anstatt Spezialkleber, muss die letzten Tage "Leukoplast" den Stiefel zusammenhalten. Waehrend ich in einer winzigen Ecke in der heutigen Herberge "Del Oribio" in Triacastela an einem spartanisch bestueckten PC (54 KB Modem-Anschluss) den Blog hege, betreiben Carsten und Stephan bereits die koerperliche Pflege. Dieser werde ich mich dann wohl auch bald hingeben wollen und verabschiede mich fuer heute mit einem erschoepften und leider auch etwas blogmueden "Adios".

PS: In den vielen Herbergen bekommt MANN zu Beginn des Aufenthaltes einen kleinen Spruch in Zettelform in die Hand gedrueckt. Die Lebensweisheit des gestrigen Tages hat mir besonders gefallen:

"Es ist vollkommen egal, wie oft man im Leben hinfaellt. Es ist nur wichtig, wie oft man wieder aufsteht."

Diskussion

Ein Kommentar

19:59 Uhr, 19.06.2008

35. Stoerche wie Sand am Meer und Kirschen im Bauch

Habe mich zu Beginn des Caminos noch darueber gewundert, dass so viele junge Spanierinnen mit dem Kinderwagen durch die Pampas waten bzw. in freudiger Erwartung ihre Koerperfuelle in der Provinz stolz praesentieren, so ist mir mittlerweile vieles klar ..... . Auf jedem noch so kleinem Kirchtum in Nordspanien befinden sich unzaehlige Storchennester, die die Geburtenrate merklich nach oben springen lassen. Vielleicht liegt es aber auch an dem herrlich leckeren Obst hier in der Gegend, das die Fruchtbarkeit der Menschen steigert! Heute sind wir durch ein phantastisches Kirschengebiet gewandert. Dabei konnte ich der Versuchung einfach nicht wiederstehen und habe sicherlich ueber 2 kg in mein "Nest" gelegt. Die Kirschen, Piemont-Qualitaet versteht sich, haben einfach goettlich gemundet und Mundraub ist ja auch hier in Espania kein Straftatbestand ;-) ..... .
Mal schauen wie das Kirschwasser in der Wanne sich am Abend mit Hopfen und Malz vertraegt.
Nicht, dass daraus ein hochexplosiver Eckes Edellikoer in meinem kleinen Baeuchlein entsteht ..... .

17:51 Uhr, 18.06.2008

34. Ueber alle Berge, 7,5 Stunden durch den Glutofen

So langsam merken wir, dass wir den Jakobsweg in Spanien und nicht in Groenland bestreiten. Heute wurde es mir unter dem Sombrero bei gefuehlten 30 Grad mollig warm. Die 30 km lange Etappe forderte uns absolut. 210 km vor Santiago wurde jedem von uns klar, dass wir unser Ziel noch "lange" nicht erreicht haben. Der Hoehenunterschied von 1000 Metern (Start bei 1400 Metern - Kreuz bei 1550 Metern - Ziel bei 550 Metern ueber dem Meeresspiegel) verlangte uns alles ab. Nun sind wir in Ponferrada angekommen und konnten in der staedtischen Herberge auch ein Bett ergattern. Das Foto zeigt uns am Cruz de Ferro stehend. Das Eisenkreuz auf einer Hochebene des Monte Irago ist einer der schlichtesten, aber eindringlichsten Stellen am Jakobsweg. Aus einem grossen Steinhaufen ragt ein langer, schlanker Eisenpfahl, darauf das kleine Eisenkreuz. Seit Jahrhunderten legen Pilger am Kreuz einen Stein nieder. Fuer viele Pilger bedeutet das Ritual auch das Ablegen einer Seelenlast. Heute Abend werden wir bei einem gepflegten Glas Bier versuchen unsere Energiereserven wieder aufzubauen. Ich werde gleich noch ein paar stimmungsvolle Impressionen vom Berg hochladen und verabschiede mich fuer heute aus diesem Blog. Adios amigos!

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